
- Der Oblivion-Nachfolger: Skyrim
Es gibt Spiele, die kauft man und bereut schon beim ersten Start den Kauf. Und es gibt Spiele, bei denen möchte man beim ersten Durchspielen irgendwann gar nicht mehr zum Ende kommen, Man lädt lieber nochmal einen älteren Spielstand. Man fängt nochmal von vorne an. Oder man startet nach dem ersten Durchgang gleich nochmal. Skyrim, der Nachfolger von Oblivion, und fünfter Teil der The Elder Scrolls-Reihe ist so ein Spiel.
Spielstart
Steam-sei-Dank musste ich nicht einmal das Haus verlassen. Der Downloadvorgang dauerte dann , da braucht man sich bei neueren Spielen sowieso keine Hoffnungen machen, trotzdem eine halbe Ewigkeit. Aber dann, endlich, erklangen die ersten Töne einer wohlbekannten Melodie. Das alte Thema aus Morrowind und Oblivion wurde noch einmal umgedeutet, dieses Mal mit brüllendem Männerchor und martyrischen Streichereinsatz, bevor dann Hörner und andere Blasinstrumente die gebührende Dramatik verschaffen. Bereits an der Musik ist zu erkennen: Nicht idyllische Wälder und Seen und vergleichsweise nette Elfen und Kaiserliche werden mich begleiten, sondern der hohe Norden – kalt, rau und, das vor allem: gefährlich.
Das Startmenü ist, auch das fällt alten Fans der Reihe sofort auf, ziemlich schlicht und: irgendwie konsolenartig. Das wohl größte Manko des Spiels begleitet einen leider ähnlich wie der gelungene Sountrack: durch die ganze Spielzeit hindurch.
Prolog und erste Schritte
Sei’s drum. ich starte das Spiel und sehe anstatt eines filmartigen Intros, wie man es noch von Oblivion kennt, einen Prolog in Spielgrafik. Gefesselt und angebunden an einen Karren hinter einem Pferd schaue ich mich um, so gut das in dieser Position eben geht. Die Sonne strahlt, aber die weißen Gipfel, die sich über schneebedeckte Tannen erheben verraten, dass es ziemlich kalt sein dürfte. Plötzlich werde ich angesprochen: Meine Mitreisenden, oder besser: Mitgefangen unterhalten sich über ihr bald bevorstehendes Ende. Wir fahren geradewegs zum Schafott! Freilich kommt es dann ganz anders, doch hier soll ja nicht alles verraten werden.
Die Charaktererstellung ist ebenfalls in den Prolog integriert, ähnlich elegant wie man es bei dieser Spielreihe gewohnt ist. Einer meiner Peiniger fragt mich nach meiner Herkunft, und prompt darf ich auch mein Aussehen, meine Rasse und vieles mehr einstellen. Aber, warum nur, ist die Steuerung so unhandlich und nervig, dass man trotz des schönen Auftakts schon erste Aggressionen hegt? Die Konsolenoptimierung rächt sich bei den PC-Spielern beinahe minütlich. Die Menüpunkte sind zwar neben den Hotkeys auch per Mauszeiger anwählbar. Aber der ist furchtbar ungenau und irgendwie wählt er permanent genau das aus, was man eben nicht anklicken wollte. Mit den Tasten kommt man ganz gut zurecht, aber da man den Charakter ansonsten mit der Maus nach links und rechts bewegt und Gegner auswählt, ist es stark gewöhnungsbedürftig, jedes Mal wieder die Tasten benutzten zu müssen. Das nächste Ärgernis ist das Inventar. Wie die ganze Menüführung kommt es im Vergleich zu den Vorgängertiteln sehr entschlackt daher – aber: Das ist nicht unbedingt auch einfach zu handhaben. Ohne Mods aus dem Internet kann man etwa das Inventar nicht nach Gewicht und Wert der Gegenstände sortieren – das ist aber eine sehr wichtige Funktion, wenn man nach Beutezügen die Höchstlast erreicht und dringen einige Schwerter und Rüstungsteile ablegen oder verkaufen will.
Quests und Stufen
Aber zurück zu den Vorzügen: Nach dem Prolog steht man unversehens in der überwiegend schneebedeckten Welt von Skyrim. Wer wie ich eine eher experimentierfreudige Herangehensweise hat, kann bereits jetzt voll in die Welt eintauchen und noch frei von jeglichen Aufgaben außer der Hauptquest einfach seiner Wege gehen und geradewegs einem Bären in die Arme laufen – ein ziemlich sicherer Tod an dieser Stelle des Spielverlaufs. Wer es eher linear mag kann der einsteigerfreundlichen Brotkrumenspur folgen. Die Hauptquest im Questlog wie auch ein Charakter, den man schon aus dem Prolog kennt, führen einen sicher in die nächste Siedlung. Der flexible, sich an den Spieler und seine Stufe anpassende Schwierigkeitsgrad hält die Frustrationsgrenze niedrig, ein einstellbares Speicherintervall sowie die automatischen Speicherungen beim Betreten und Verlassen von Gebäuden und Dungeons verhindern, dass man jemals weit zurückfällt. Wer es trotzdem härter mag, kann den Schwierigkeitsgrad auch manuell anpassen.
Sehr bald kommt der erste Stufenaufstieg und man kann in einem eigenen Menü die Fertigkeisboni verteilen. Auch hier wurde ausgemistet, was ich persönlich schade finde, was andererseits aber nicht wirklich schlimm ist. Es gibt weniger Fertigkeiten und noch weniger einzelne Spezialkräfte, dafür gibt es aber die Drachenschreie – mächtige Sprüche, die Drachen oder andere Gegner in Brand setzen, umwerfen und vieles mehr. Den ersten erhält man ebenfalls relativ früh im Spiel, der Rest kann relativ optional erspielt werden. In diversen Dungeons findet man neue Drachenschreie und auch im Rahmen der Hauptquest sind einige zu erlernen.
Dungeons und die Spielwelt
Skyrim ist wunderschön. wer wie ich bei den ersten Bildern und Trailern befürchtet hat, dass das nordisch-winterliche Thema zu wenig Abwechslung hergibt, dem sei gesagt: Skyrim ist in mancher Hinsicht sogar abwechslungsreicher als Oblivion. Zwar ist die landschaftliche Vielfalt Cyrodils und auch Morrowinds theoretisch größer. Aber eben nur theoretisch. Himmelsrand ist, so erlebt man es beim Spielen jedenfalls, bis in den hintersten Winkel abwechslungsreich. Keine Ecke wirkt wie die andere und: sogar die Dungeons sind sehr vielfältig. Das liegt wohl daran, dass nicht ein automatischer Editor den größten Teil gestaltet hat, sondern überwiegend von Hand gearbeitet wurde. Gebirgszüge erscheinen unzugänglich, offenbaren dann aber doch eine kleine Siedlung. Höhlen und Ruinen durchziehen die Gegend – manche direkt an den Handelswegen, einige so versteckt, dass man sie nur bei ausgedehnten Streifzügen entdeckt. Und dann sind da noch die Überreste der Dwemer-Kultur. Auch hier gibt es zahlreiche zugängliche Bauten und Dungeons von gigantischem Ausmaß – vor allem einer ist mehrere Spiel-Quadratkilometer groß. Ich habe ihn zufällig gefunden, es gibt aber wohl auch eine Quest dazu. Der hohe Norden bietet letztlich weitaus mehr als nur Schnee und Berge; es gibt Wälder und Wiesen, versteckte Lager, kleine idyllische Seen und reißende Ströme, mal mit scharfkantigem Eis, mal im Licht einer warmen Frühlingssonne. Auch die Städte sind hübsch anzusehen, unterschiedlich groß und unterschiedlich in ihrem Baustil. Es macht daher Sinn, dass man in jeder großen Stadt ein Haus kaufen kann – jedes ist anders. Einzig die kleineren Siedlungen sind doch etwas redundant, da die Versatzstücke – zwei, drei Blockhütten und eine Taverne – meistens die gleichen Prototypen sind.
Spielspaß und Spieldauer
Ich spiele an meinem zweiten Charakter. Mit dem ersten war ich nach ca. 50 Stunden Spielzeit mit der Hauptquest und einigen größeren Nebenquests (Diebesgilde, Bruderschaft) durch. Jetzt bin ich bei insgesamt 110 Stunden Spielzeit und auch mit dem zweiten Charakter auf Stufe 30, habe aber die Hauptquest noch nicht weit verfolgt. Es gibt einfach genug andere interessante Aufgaben. Natürlich sind da die großen Fraktionen: Kaiserliche und Sturmmäntel, für die man in den Kampf ziehen kann. Aber auch die bekannten Gruppen wie Diebesgilde und Dunkle Bruderschaft haben ausufernde Questlinien und spürbar mit Liebe zum Detail entworfene Storys. Dazu kommen dann noch hunderte von Kleinstquests, also meistens Einzelaufgaben, bei denen man Objekte ausliefern muss oder aus einem Dungeon bergen soll. Wer also alle Optionen nutzt, die man so hat, braucht locker 70-100 Stunden, um die Welt von Skyrim ansatzweise erschöpfend kennen gelernt zu haben. Bei Steam gibt es zudem jede Menge Errungenschaften, denen man sich widmen kann. Und bald dürften die ersten Mods und spielergemachten Quests auftauchen…
Fazit
Skyrim ist das für mich derzeit beste Spiel. An erster Stelle sind das Setting und die Atmosphäre zu loben. Nur wenige Spiele haben mich je so eintauchen lassen, und bei wenigen Spielen fange ich direkt nach dem ersten Durchgang einen zweiten an. Die Welt von Himmelsrand ist sehr groß und bis in den hintersten Winkel ausgestaltet. Alles wirkt belebt und leere Flächen wie in Morrowind oder schlichtweg lieblos aufgereihte Bäume wie in Oblivion sucht man zum Glück vergebens. Die Quests verlangen teilweise Geschick und logisches Denken, manchmal aber auch einfache Mordanschläge – beides macht Spaß, weil die Dungeons abwechslungsreich sind und die NPCs gut synchronisiert und überwiegend glaubwürdig in ihren Beweggründen. Einizges großes Manko: Die Steuerung und die Menüführung sind grobschlächtig und gewöhnungsbedürftig, mit den passenden Mods kann man sich dann aber wieder dem Spielgenuss widmen. Kurzum: Skyrim ist ein Spiel (nicht nur) für die Jahreszeit: Lange Winternachmittage und -abende lassen sich wunderbar zu Abenteuern in Himmelsrand umgestalten. Absolute Kaufempfehlung.